Thin Blue Line


 

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Dies ist ein "Spin off" des Blogartikels "Zeichen und Symbole"

Dieser Beitrag erschien in abgeänderter Form auf der Plattform Better Police als Gastbeitrag. 

Die "dünne blaue Linie" ist eine Eigendarstellung amerikanischer Polizisten in blauen Uniformen als Schutzwall zwischen der Gesellschaft und dem Verbrechen. Als Emblem in Schwarz-Blau soll sie an die im Dienst getöteten Polizisten erinnern. Eine historische Darstellung über die Entwicklung der Thin Blue Line findet sich in einem Artikel bei Wikipedia, der auch die Problematik in der Nutzung aufzeigt. Während die deutsche Wikipedia die Anfänge der Blue Thin Line als erste Erwähnung ins Jahr 1962 nach Großbritannien verortet, nennt die englische Wikipedia als erste Nutzung des Begriffes die Fernsehsendung des Los Angeles-Polizeichefs William Parker, der eine wöchentliche Fernsehsendung bei einem örtlichen Kanal von NBC im Jahr 1952 initiierte. Artikel bei Wikipedia

Die Thin Blue Line ist in ihrer öffentlichen Nutzung durch Unterstützer der Polizei aber auch "White Supremacist"-Gruppierungen hoch umstritten. Der kleine Ort Hingham bei Boston in Massachusetts/ USA spaltete sich in zwei Lager, als die Feuerwehr zum Gedenken an einen ermordeten Polizisten ihre Fahrzeuge mit entsprechenden Flaggen schmückte. Bericht National Public Radio. Die New York Times berichtet über einen Fall in einem New Yorker Vorort District, der verbot die Thin Blue Line für seine öffentlichen Angestellten in einer Schule zu tragen, da sie auch mit der Blue Lives Matter-Bewegung in Verbindung gebracht würde. Über archive. Blue Lives Matter ist als Gegenbewegung zu den  Black Lives Matter-Protesten zu sehen. Wikipedia

Im Mai 2020 verbietet der Polizei-Chef von San Francisco das Tragen von Mund- und Nasenbedeckungen gegen Corona, die mit der Thin Blue Line bedruckt sind. Bericht im San Francisco Chronicle


Im Juli 2020 gründet ein Marcus Boyd auf Facebook eine Gruppe, um in San Diego und rundherum die Thin Blue Line als offizielles Zeichen entfernen zu lassen. Die San Diego Union-Tribune berichtet mit einem historischen Verweis auf William Parkers Fernsehsendung. 

Ende Januar 2021 verbot der (oder die?) Chef(in) der Campus-Polizei der Universität Wisconsin-Madison das Tragen der Thin Blue Line-Patches während der Dienstzeiten. Bericht bei NBCNews

Im Jahr 2015 wurde die Verwendung des Patches in einigen Polizeibezirken in Großbritannien verboten. The Times über archive. Es gibt allerdings seit 2012 eine anerkannte britische Wohltätigkeitsorganisation Thin Blue Line, die zunächst als private Sammelaktion für eine andere Organisation Policecare.org, die sich um die physische und psychische Gesundheit britischer Polizisten kümmert

Um sich mit der Thin Blue Line zu zeigen, gibt es in den USA, aber auch in Deutschland diverse Merchandising und sogenannte "Tactical Patches", die von Polizisten an der Uniform getragen werden können. Paracord - handgeknüpfte Armbänder, Heldenfarben - Bekleidung und Patches auch für Feuerwehr und Rettungsdienste, PolizeiMemeShop, Polas - der offizielle Polizei-Ausrüster mit einem speziellen Login für GdP-Mitglieder.  

Bislang unbeachtet in deutschen Medien ist die Tatsache, dass einige der hochgerüsteten Kämpfer, die das Kapitol am 06.01.2021 überfielen, die Patches getragen haben. Die Verkaufsplattform ThinBlueLineUSA postete deshalb am 09.01.2021 ein Statement, in dem diese Männer verurteilt wurden. 

Deutschland


T-Online brachte zuerst am 08.01.2021 einen Bericht über militante Eindringlinge, die eventuell eine Geiselnahme geplant hatten. Der Mann auf dem Artikelfoto wurde im Laufe der Ermittlungen als Eric Gavelek Munchel aus Nashville identifiziert und am 10.01.2021 verhaftet. Bericht im Newschannel 5 aus Nashville. Im Artikel findet sich ein Tweet mit dem ersten irritierten Hinweis auf einen ThinBlueLine-Patch mit dem auch in Deutschland erhältlichen "Punisher"-Totenkopf. 

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Der Spiegel berichtet über John Scott-Railton (Twitter), der auf eigene Faust zusammen mit Usern im Internet versucht, weitere Täter zu identifizieren. Bebildert war der Artikel zunächst mit einem anderen Foto, auf dem ebenso ein Mann mit einem Thin Blue Line-Patch zu sehen war. 




In Deutschland verwendete Alice Weidel, Fraktionsführerin der AfD im Deutschen Bundestag im Jahr 2018 den Begriff in einem Gastkommentar bei der Jungen Freiheit und bezog sich hier auf respektlose Angriffe von Migranten und Asylbewerbern auf Polizisten. Seit Juni 2016 existiert eine Facebookseite Thin Blue Line Germany mit ca. 11.000 Abonnenten, eine zweite Seite Tactical Blue Line Germany seit Sommer 2020 mit etwa 3.000 Abonnenten. Beide Facebookseiten berichten neutral über Polizeiarbeit, die Seite Tactical Line setzt sich für privaten Waffenbesitz ein. Beide Seiten werden anonymisiert betrieben. 

Auf Twitter führ(t)en einige User den Hashtag #ThinBlueLine im Profil.

Dazu gehören der Bundespolizist Manuel Ostermann (Blogbeitrag), 




Sein "Freund" Kristian Beara, bei CDU-JU-Mitglieder, wahrscheinlich auch beide Mitglieder in der Werte Union, 



sowie der Informatik-Student und JuLi David Best. 



Die private Homepage zur Unterstützung der Polizei "Polizist=Mensch" führt den Hashtag auf Twitter nicht, verlinkt aber diverse Shops, siehe oben. Im Oktober 2020 erscheint ein Blogbeitrag (über Wayback) zur Erklärung, da ein Polizist über ein Verbot in seiner Dienststelle berichtet hatte. Der Blogbetreiber Marcus Vogt zweifelt die "rechts-konservative Gesinnung" an.
 


Eine kurze (private) Anfrage bei der Gewerkschaft Polizei Grün ergab, dass zwar etliche Polizisten solche Statements im Dienst tragen würden, aber man dies auch kritisch sehen würde. Ein offizielles Statement auf Twitter gab es im Februar 2021, als die Berliner Polizei einen netten jungen Polizisten mit Lollies für Kinder bei Twitter postete. In der unteren Bildecke befindet sich ein kleiner blau-schwarzer Patch an der Schutzweste. 


Dazu die private Meinung des bekannten DPolG-Vertreters: 

Das Blog Polizist=Mensch legt seine Meinung in den folgenden Monaten mehrmals vor. Im April 2021 mit einer Erklärung, die aus Wikipedia entnommen ist und die Kontroversen auslässt. Ebenso im April als Beitrag des neuen Admins, nachdem Kritik an der Thin Blue Line "linke Ideologie" ist. 

Karikatur von Matt Wuerker auf der Plattform Politico aus dem November 2021  "Die falsche blaue Linie".


Im Dezember 2021 postet das Blog Mensch=Polizist einen Weihnachtsgruß der Kieler Polizeiwache, die bei Twitter eine weitere kontroverse Debatte auslöst. Bericht bei Netzpolitik. Der Bericht bei Netzpolitik, in dem auch die Löschung einiger Antworten der Polizei Mannheim angesprochen werden, führen zu einer Anfrage an "Frag den Staat", wonach die Social Media der Polizei Mannheim diese löschte, weil sie "Polizist=Mensch" für eine offizielle Polizeiplattform hielten.  


Im Dezember 2021 beschreibt die taz den Tod eines jungen Kiffers im Polizeigewahrsam in Delmenhorst mit der Erwähnung eines Polizisten der betreffenden Wache, der an seiner Uniform neben einem TBL-Patch auch den Punisher tragen soll. 

Ebenso im Dezember 2021 erscheint bei Cilip (Fachzeitschrift des Instituts für Bürgerrechte/ Wikipedia) eine Zusammenstellung diverser Instagram-Accounts und anderer Netzwerke, in denen Polizisten privat/ halbdienstlich Bilder mit den Hashtags #Instacops und #ThinBlueLine posten. Auch die Fachleute des Instituts sehen die Verwendung der TBL kritisch. 

Im Januar 2022 gibt die Firma Rheinmetall auf Twitter bekannt, dass die Firma den Zuschlag für die Lieferung von 55 Fahrzeugen des geländegängigen Panzerfahrzeugs Survivor R vom BMI-Bund und den Innenministerien der Länder bestellt worden seien. Im englischsprachigen Tweet wählt die Social Media-Abteilung von Rheinmetall zusätzlich den Hashtag #ThinBlueLine. Pressemitteilung Rheinmetall

Tweet auf Englisch / auf Deutsch

Bereits im Jahr 2017 erregte der Kauf eines Survivor R für Sachsen Aufsehen und Empörung wegen einer kostenpflichtigen Bestickung der Kopfstützen, die an Embleme der Wehrmacht erinnerten. Bericht in der taz.  

Im März 2022 berichten die Kieler Nachrichten von einer Gerichtsverhandlung in Kiel, während der den anwesenden Journalisten bei einem Justizwachtmeister ein Patch mit TBL und Spartanerhelm auffiel. Laut den Kieler Nachrichten "rät die Gewerkschaft vom Tragen ab". 

Artikel mit Paywall

Kurz danach berichtet die taz von dem Fall. Dem Justizbeamten wurde das Tragen untersagt, ebenso wurde für alle Beamten in Schleswig-Holstein im Rahmen des Neutralitätsgebotes untersagt. 

Im April 2022 kommt es zu Protesten, als ein Polizist in Michigan einen jungen Schwarzen mit einem Schuss in den Hinterkopf tötet. Bericht in der Welt. Im Teaser-Foto auf Twitter findet sich ein handgeschriebenes Plakat, auf dem das Wort "Cop" durchgestrichen scheint, es sich aber um eine TBL-Darstellung handelt. 




Dienstvorschriften


Da Verbote interne Dienstvorschriften sind, gibt es nur wenige Hinweise, ob Patches wie die Thin Blue Line im Dienst und an der Uniform verboten sind. 

Laut der B.Z. vom Oktober 2020 sind private Patches bei Berliner Polizisten komplett verboten.

Der Tweet und das Foto führen zu einer Anfrage der Grünen June Tomiak an den Berliner Senat, die mit "man habe es auf dem Foto nicht gesehen" beantwortet wird. Bericht in der taz

Saarland: "Flugblatt" der GdP Saarland - Die GdP ließ 2019 kostenlose Patches verteilen, das Tragen an der Uniform wurde vom Innenministerium verboten. 

Von der Berliner Sektion an Polizisten verteilt. 



Sachsen: Artikel von Mannheimer Morgen hinter der Paywall, Anriss bei Google. 



Im April 2021 berichtet die taz von einem Hamburger Sicherheitsunternehmen, das den Patch mit dünner blauer und roter Linie auf dem Hamburger Wappen führt. Die Männer und Frauen treten uniformiert wie polizeiliche BFE-Einheiten auf, was bei Corona-Kontrollen am Alten Elbtunnel zu Beschwerden geführt haben soll. Die Firma findet sich bei Facebook, Stellenanzeige.




In Schleswig-Holstein wurde das Tragen des Patches für alle Polizeibediensteten des Landes verboten, siehe oben den Bericht vom März 2022. 



Zusatz-Gimmick:

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